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Zuallererst danke für 167.000 Klicks !!! - und das so ganz ohne soziale Netzwerke
Nicht jammern, machen!
Ärmel hoch!
Bei vielen Kritiken und Anfragen hört man mittlerweile aus der Verwaltung, die Stadt habe kein Geld mehr. Das ist in Teilen richtig, aber nur die halbe Wahrheit, denn man hat auch vieles liegen lassen, als das Geld noch üppig vorhanden war. Die Verwaltung wiegt sich in Selbstzufriedenheit und der Gemeinderat ist gespalten im Kampf um eine Allgerechtigkeit, die an den Anforderungen der Stadt vorbei geht. Warum kümmert sich keiner um die Schönheit der Stadt? Diese ist fundamental oder wie es ein Leser von mir beschreibt: Ästhetik ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Genau! Das Thema macht man aber am liebsten mit Allgemeinplätzen platt. „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ ist dabei besonders beliebt. Klar ist Schönheit Geschmacksache, aber wenn man die beliebtesten Plätze der Stadt anschaut, dann sind es vor allem die alten. Wenn man sieht, was Menschen in ihrem Urlaub gerne ansteuern, dann sind das oft Städte mit alter Bausubstanz. Klassiker, wie Kuppeln, Gewölbe, Torbögen, krumme Straßen, elegante Plätze, Säulen, spielerische Fassaden, Dachlandschaften und warme Farben, das zieht eigentlich immer. Zuletzt war ich im Piemont, wo viele neue Wohnblöcke in Turin entstanden sind, aber auch in kleineren Städten, wie Fossano. Sie wirken teils gar nicht als Blöcke, weil sie mit Form und Farbe spielen. Dagegen ist die Quadratsarchitektur hierzulande ein Trauerspiel. Man schämt sich nicht, lauter gleiche Gebäude nebeneinander zu stellen und diese nicht mal farblich zu unterscheiden. In der Königstraße wurden und werden etliche Gebäude ersetzt, ohne dass die Flaniermeile an Schönheit zugenommen hat. Wie kann das sein? Das heißt doch, dass man die Fehler der Nachkriegszeit wiederholt. Völlig fehlorientierte Bewahrer kämpfen um das hässliche Züblinparkhaus und andere für den Betonklotz des ehemaligen Wittwers. Das ist keine Architektur, die Stolz macht und eine Haltung die in mir Trauer erzeugt. Wo sind die Kreativen in der Stadt, die einen tollen Vorschlag machen, bei dem die Stuttgarter sagen: „Super, das wollen wir.“
Die Linkshälfte des Gemeinderats arbeitet sich stetig am Auto ab, anstatt sich zu überlegen, wie man die Besucherzahl in der Innenstadt hochhalten kann und wie man damit die Kultureinrichtungen stützt, die die Beliebtheit Stuttgarts zum Teil ausmachen. Hier haben viele Mitbestimmer ein sehr ländliches Verständnis von Großstadt. Manche sehen nur interkulturelle und lebenswerte Stadtviertel voller Harmonie. Das ist für Teile der Stadt durchaus erstrebenswert, aber anderseits lässt man eine Architektur zu, die solitäres Wohnen erzeugt, Supermärkte, die genau mit jenen Orten in der Stadt konkurrieren, die dieses Miteinander noch ausstrahlen. Ein Feuerbacher hat mal zu mir gesagt, ich könne die Stadt lesen. Das hatte mich erfreut, danke! Die Frage aber ist, warum können es andere nicht, die über diese Stadt entscheiden. Wo bleibt der Wunsch sie zu verschönern? Alleine den Autoverkehr zu reduzieren, reicht nicht. Da gehören viele andere Dinge auch dazu. Die Ablösung kalter Beton- und Glasfassaden muss Teil des Ziels sein, wie auch die Verjüngung der Gebäude, nach oben, wie gerade am Marktplatz geschehen. Das bringt Nachverdichtung, mehr Nutzfläche und wieder ein bisschen schönere Draufsicht mit sich, was in einer hügeligen Stadt noch wichtiger ist, als in einer flachen.
Die Zeiten sind gerade ernst, aber zum Jammern sind sie dennoch zu schade. Gerade Krisensituationen sollten Kreativität beflügeln und die Überlegung, wie man die Stadt in eine bessere Zukunft überführt. Es braucht jetzt eine Ärmel-hoch-Mentalität, ein Jetzt-erst-recht. Eine schönere Stadtoptik ist hierfür fundamental, denn sie ist unterm Strich billigstes und nachhaltiges Marketing. Stuttgart muss wieder Altstadt wagen, dort wo diese ihre Anfänge nahm. Klimagerechtigkeit, Regenbogenfarben und Schuldkultur haben ihren berechtigten Platz, aber sie dürfen die stolze Geschichte der Stadt nicht verstellen und die Freude an einer schönen Zukunft nicht konterkarieren. Die latente Unzufriedenheit unserer Gesellschaft dürfen wir nicht auch noch mit missmutiger Stadtverwaltung füttern, sondern man muss dem Lebensfreude entgegensetzen. Die Ansätze hierfür sind da, aber aus der Glut will einfach keine Flamme werden. Wenn der Funke schon nicht vom Rathaus ausgeht, dann muss er aus der Bevölkerung kommen. Es gab und gibt viele gute Ansätze, wie das Zukunftsforum Feuerbach, der Aufbruch Stuttgart, bevor er sich an der Oper verkämpfte, und auch meine sehr oft aufgerufenen Website ist ein Teil dessen. Wenn man die Foren in Facebook und in Instagram anschaut, da wird das alte Stuttgart zelebriert, werden mit KI die alten Gebäude wiederbelebt mit Straßenszenen von heute. Das alles ist faszinierend, doch gefühlt fehlt der Szene eine gemeinsame Marschrichtung. Es gibt viele Einzelkämpfer, die sich gegenseitig mit schönen Ideen versorgen, aber es fehlt ein Pol, wo diese zusammenlaufen. Zwar ist eine gewisse Ohnmacht zu spüren, angefangen damit, dass das man beginnt das gut gemachte Schwabenzentrum, das Rücksicht auf seine Umgebung nahm, durch Allerweltsbauten zu ersetzen, das Bohnenviertel mit einem Quadergebirge zu verstellen und die stadtprägende Gebäude nicht zu schützen, doch das darf den Kampf für ein schöneres Stuttgart nicht aufhalten.